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St. Anna-Kapelle vor der Kirche St. Martin
St. Anna-Kapelle vor der Kirche St. Martin

Geschichtlicher Abriss der Pfarrei St. Martin

Die Geschichte der Pfarrei St. Martin geht bis ins 7. Jh. zurück. Eine erste Kirche dürfte spätestens im dritten Viertel des 7. Jh. entstanden sein. Das belegt das Grab eines alemannischen Adeligen, das anlässlich der Renovation der Kirche in den Jahren 1969/70 in den Fundamenten des ersten Gotteshauses entdeckt wurde. Es ist heute im Historischen Museum Uri in Altdorf im Original zu besichtigen. Später ging das Gotteshaus in den Besitz des Fraumünsters von Zürich über, nachdem König Ludwig der Deutsche im Jahre 853 Teile des Landes Uri diesem Kloster vermacht hatte. Mit Conrad Blum, Chorherr am Grossmünster von Zürich, wurde 1223 der erste Pfarrer urkundlich fassbar. Das Gotteshaus selbst ist 1244 erstmals erwähnt.

Im 13. Jh. trat St. Martin als Grosspfarrei hervor, die sich von Erstfeld abwärts rund um den Urnersee erstreckte und über mehrere Tochterkirchen verfügte. Mit der Abkurung von Sisikon begann aber 1387 der Schrumpfungsprozess des Pfarrsprengels, der 1665 mit der Verselbstständigung von Flüelen seinen Abschluss fand.

Im 16. Jh. entstanden die ersten kirchlichen Bruderschaften, so vor 1573 die heute noch bestehende Jakobsbruderschaft und 1754 die ebenfalls noch tätige Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder.

Im 17. Jh. wurde Altdorf zur Hauptkirche des Landes erklärt, zur Erzpfarrei St. Martin. Mit dem Bau der Bruder Klaus Kirche wurde 1969 das Pfarr-Rektorat Bruder Klaus errichtet, welches 1981 eine eigene Pfarrei wurde. Seit 2007 arbeiten die beiden Altdorfer Pfarreien im Seelsorgeraum Altdorf wieder eng zusammen.

Während die erste Kirche gemäss Grabungsergebnissen im 3. Viertel des 7. Jh. entstand, wurde im 9./10. Jh. eine zweite errichtet. Eine dritte, im 12. Jh. erstellt, wurde am 10. Mai 1268 durch eine Rüfe beinahe zerstört, wobei auch betendes Volk und der Prediger umkamen. So folgte im 14. Jh. der Bau einer grösseren, gotischen Kirche. 1602 beschloss man, wohl im Zeichen der Gegenreformation, die Erstellung einer neuen, grösseren Kirche, die am 1. Oktober 1606 eingeweiht wurde. Dieses reich ausgestattete Gotteshaus wurde leider am 5. April 1799 das Opfer des grossen Dorfbrandes, der die ganze Innenausstattung zerstörte. Stehen blieben das Steingewölbe des Chors und jenes der Sakristei, wodurch die Ausstattung der letzteren sowie Archivalien, Kirchenschatz, Paramente und dortige Gemälde verschont blieben. Erhalten blieb auch grossenteils das Mauerwerk, so dass zwischen 1802 und 1807 auf den alten Fundamenten die neue Kirche erstellt werden konnte, wofür Baumeister Franz Josef Rey aus Muri verpflichtet wurde. 1803 wurde die Kirche wieder für Gottesdienste benutzt, 1807 wurden die Altäre eingeweiht.

Über das heutige Gotteshaus orientiert Sie ausführlich und kompetent Dr. Helmi Gasser im reich illustrierten Werk „Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri“. Zum Kirchenbezirk gehören auch das doppelstöckige Beinhaus von 1596 am Eingang zum Friedhof, die St. Annakapelle, dann die 1656/57 entstandene Ölbergkapelle hinter der Kirche sowie der stattliche Friedhof mit den imposanten Grabdenkmälern. Das mit Treppengiebeln versehene Fremdenspital am Gemeindehausplatz, 1490 erstellt und 1585 durch eine (heute profanierte) Kapelle ergänzt, sowie die Pfrundhäuser am Kirchplatz runden das Bild ab.

Gotteshäuser rund um Altdorf

Zu den Gotteshäusern rund um Altdorf zählen die Kapelle zum Unteren Heiligen Kreuz, am nördlichen Dorfeingang, die kleine Kapelle Maria Hilf an der Bahnhofstrasse, die Kuonsche Kapelle der singenden Engel und die Dreifaltigkeitskapelle an der Hellgasse sowie die Kapelle St. Joseph unterhalb von Bürglen. Hinzu kommen die Kapellen des 1581 gegründeten und 2009 aufgehobenen Kapuzinerklosters, wiedererstanden nach dem Dorfbrand von 1799, und diejenige des im Jahre 1678 gegründeten und 2004 aufgehobenen Kapuzinerinnenklosters St. Karl beim Oberen Heiligen Kreuz, die 1561 erstmals erwähnt ist. Die Zwyerkapelle liegt auf halbem Weg zwischen Altdorf und Attinghausen bei der Bruder Klaus Kirche und wurde 1598/99 erbaut. Alle diese Bauten sind im oben genannten Buch von Helmi Gasser ausführlich beschrieben. Die Mariannhiller Missionare am St. Josefsweg 15 betreuen eine Hauskapelle. Die Kollegikapelle wird als Mehrzweckraum verwendet. Auf den Eggbergen steht seit 1968 eine schöne, bethafte Bergkapelle. Und auch das Kantonsspital Uri verfügt über einen schönen Gottesdienstraum.

Der Kirchenschatz St. Martin - Kirchenschatzmuseum

Der Kirchenschatz der Pfarrkirche Sankt Martin in Altdorf (Uri) gehört zu den reichsten und kostbarsten der ganzen Urschweiz. Er umfasst goldene und silberne Kultgeräte, Kruzifixe, Reliquienschreine und Kerzenstöcke aus der Zeit von 1500 bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Vielfalt der erhaltenen Gegenstände ist erstaunlich, umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Kirche in den Jahren 1400, 1693 und 1799 abbrannte. Eine grossartige Gruppe gotischer Arbeiten bildet den Hauptteil der Sammlung. Ihr Prunkstück ist die grosse gotische Turmmonstranz aus dem Jahr 1511. Renaissance und Barock setzen weitere Akzente. Ebenso sehenswert sind die historischen Messornate und Messgewänder aus kostbaren Seidenstoffen mit ihren prächtigen Stickereien.

Seit Ende 1982 ist der kostbare Kirchenschatz der Pfarrkirche St. Martin ausgestellt und öffentlich zugänglich. Das Kirchenschatzmuseum ist bis Mitte Juli und ab Mitte August bis Mitte November sonntags von 10.30 Uhr 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Zusätzlich werden an jedem zweiten Sonntag im Monat um 11.00 und um 14.000 Uhr Führungen angeboten. Der Eintritt ins Museum und die Führungen sind gratis. Führungen sind auch ausserhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Bitte melden Sie sich info(at)kg-altdorf.ch, Tel: 041 874 70 40.

 
Literatur

• Helmi Gasser, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hg.), Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band I.I, Altdorf 1. Teil: Geschichte, Siedlungsentwicklung, Sakralbauten, Bern 2001.
• Helmi Gasser, Die Pfarrkirche von St. Martin in Altdorf und ihr Bezirk, erschienen 2008 in der Reihe Schweizerische Kunstführer GSK, Serie 83 Nr. 826
• Karl Iten, Katholischer Kirchenrat (Hg.), Der Kirchenschatz von St. Martin in Altdorf. Mit einem Anhang über die Geschichte der Pfarrei und der Pfarrkirche Altdorf von Hans Muheim, Altdorf 1989. (Dieses 70 Seiten umfassende, reich bebilderte Buch ist im kath. Pfarramt Altdorf für 10 SFR zu beziehen).
 

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